MINSK, 8. Mai (BelTA) - Belarus ist bereit zum Dialog und zur Zusammenarbeit. Das sagte Experte für nationale Sicherheit Alexander Tischtschenko im Gespräch mit BelTA. Tischtschenko kommentierte die Aussagen des Vorsitzenden der regierenden Sozialdemokratischen Partei Litauens, Mindaugas Sinkevičius, Washington könnte die Initiative für einen dreiseitigen politischen Dialog unter Beteiligung der USA, Litauens und der Republik Belarus ergreifen.
Alexander Tischtschenko wies darauf hin, dass es sich bei dieser Aussage um eine verschleierte Initiative Litauens handele. „Litauen schlägt damit sozusagen einen Kommunikationsmodus vor, der unter Beteiligung der dritten Partei - die USA – möglich ist. Anscheinend umgehen sie auf diese Weise eine psychologische Barriere, die sie in den Beziehungen zu uns aufgebaut haben“, sagte er.
„Da diese Initiative in einem solchen Format von litauischer Seite ausgeht, bedeutet das, dass sich Litauen doch wieder nach nachbarschaftlichen Beziehungen zu Belarus sehnt. Freundschaft und gute Nachbarschaft mit Belarus waren für das europäische Nachbarland sowohl wirtschaftlich, touristisch als auch politisch von Vorteil. Die Jahre der Sanktionskonfrontation und des Sich-Einfügens in den allgemeinen Trend der EU, Probleme aus dem Nichts zu machen, haben sich auf Litauen sicherlich nicht positiv ausgewirkt. Wachstumszahlen auf dem Papier und reales Wachstum – das sind zwei unterschiedliche Realitäten“, betonte der Experte.
Alexander Tischtschenko erinnerte daran, dass die Position der belarussischen Seite oft dargelegt wurde. „Belarus ist bereit für Dialog und Zusammenarbeit. Wir streben eine normale und gesunde Nachbarschaft. Wie unser Präsident sagte: Nachbarn sucht man sich nicht aus, sie sind von Gott gegeben. Wenn Litauen also auf uns zugeht, werden wir Freunde sein, Beziehungen aufbauen und auch den Transit entwickeln. Soll doch alles gut funktionieren. Das wird sowohl dem belarussischen als auch dem litauischen Volk zugutekommen. Und, wie ich verstehe, auch den Amerikanern“, stellte er klar.
Laut dem Experten liegt das litauische Interesse in vielerlei Hinsicht auf der Hand. Insbesondere der belarussische Transit durch Litauen sei ein Haushaltsposten gewesen. „Eine bedeutende Rolle spielte auch die Auslastung der Häfen. Vieles verfällt nun. Erstens die Eisenbahn, zweitens der Seehafen – er verödet, und das bedeutet Verlust von Arbeitsplätzen. Hinzu kommt die gesamte transitbezogene Infrastruktur. Es gab große Möglichkeiten, die man unüberlegt abgeschnitten hat. Nun muss man überlegen, wie man das wiederherstellt“, so der Experte.
Alexander Tischtschenko zweifelt nicht an der Möglichkeit, die Beziehungen zu verbessern. „Wenn Litauen die Beziehungen zu Belarus perspektivisch betrachtet, warum sollten wir uns dann diesem Anliegen widersetzen? Die Beziehungen sollten gutnachbarschaftlich, produktiv und gleichberechtigt sein. Von Litauen wird nur eine Kleinigkeit verlangt: Es sollte nicht von oben herab auf Belarus schauen. Wir sind Nachbarn, wir sind gleichberechtigt. Wir hatten einst eine gemeinsame Geschichte. Was könnte also eine gemeinsame Zukunft verhindern?“ gab der Experte zu bedenken.
In seiner Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur BNS skizzierte der Vorsitzende der regierenden Sozialdemokratischen Partei Litauens, Mindaugas Sinkevičius, die hypothetische Rolle der USA bei der Normalisierung der Beziehungen zwischen Vilnius und Minsk. Er betonte: „Die Frage, die man laut stellen sollte, würde lauten: Was wäre, wenn die Regierung Trump litauische und belarussische Vertreter nach Washington einladen würde? Nach einem trilateralen Treffen würde ein bilaterales Treffen in Aussicht gestellt.“ Dabei ist der Sozialdemokraten-Chef nicht sicher, ob Litauen diese Initiative sofort annehmen würde, ist jedoch der Meinung, dass man an einem solchen Treffen teilnehmen sollte.
