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11 Februar 2026, 13:48

Trainer Wassiljew über Herausforderungen und Perspektiven des Eiskunstlaufs

Bei den Olympischen Spielen in Mailand haben die ersten Eiskunstläufer ihre Medaillen gewonnen. Gold holten die Athleten aus den USA, Silber ging an Japan und Bronze an die Gastgeber der Olympiade. Am Eiskunstlauf-Mannschaftsturnier nahmen traditionell die 10 stärksten Mannschaften der Internationalen Eislaufunion teil, die in mindestens drei Programmtypen die olympischen Lizenzen gewonnen haben.

Für Belarus ist die Teilnahme am Mannschaftsturnier noch ein Traum. Um ihn zu verwirklichen, muss man viele Schwierigkeiten überwinden. Die erste Schwierigkeit ist die eigentliche Teilnahme an der Spielen – sie wurde unseren Athleten verwehrt. Gleichzeitig müssen viele interne Probleme gelöst werden. Im Moment ist es nur einer Eiskunstläuferin aus Belarus gelungen, das Land bei den Olympischen Winterspielen zu vertreten – Viktoria Safonova. Andere belarussische Eiskunstläufer müssen noch hart arbeiten, um ihre Programme in Zukunft beim olympischen Turnier zu präsentieren. Der Cheftrainer der Eiskunstlauf-Nationalmannschaft der Republik Belarus, Olympiasieger Oleg Wassiljew erzählte im Interview mit BELTA, welche Herausforderungen vor dem belarussischen Team stehen.


Schule der Alten Welt

- Oleg Kimowitsch, wie hat sich der Eiskunstlauf in der Zeit verändert, in der unsere Athleten von internationalen Starts suspendiert wurden?

- Wollen wir mit dem Interessantesten beginnen, mit dem Einzellauf der Damen. Geografisch kann man hier folgende Blöcke erkennen: Europa, Nordamerika und Asien. Der Einzellauf der Damen in Europa ist technisch stark gesunken, die Präsentation ist schlechter geworden. Viktoria Safonova erzielte im Dezember beim Cup der stärksten Athleten in Minsk in zwei Programmen 210,44 Punkte, die estnische Eiskunstläuferin Nina Petrykina gewann im Januar die Europameisterschaft mit 216,14 Punkten, die Belgierin Luna Hendricks belegte mit 191,26 Punkten den zweiten Platz. Das heißt, hätte man uns nicht suspendiert, könnte unsere Sportlerin bei den Europameisterschaften eine Medaille gewinnen. Die amerikanische Eiskunstlaufschule erlebt im Moment einen Aufschwung, er ist aber eher punktuell als global. In den USA gibt es zwei bis drei Sportlerinnen, denen komplexe mehrfache Sprünge gelingen. Sie können gut laufen und zeigen ein hohes Niveau. In Asien geben japanische Eiskunstläuferinnen den Ton an, sie führten immer komplexe Elemente aus, dreifache Axel. Einige versuchten sogar, vierfache Sprünge auszuführen. Bei den Olympischen Spielen im Einzelturnier werden wir ein sehr interessantes Bild sehen – die Schule der Alten Welt mit gutem Lauf, aber völlig „zahnlos“ in technischer Hinsicht wird mit starken und immer konkurrenzfähigen Athleten aus den USA und Japan konkurrieren.

Der Einzellauf der Herren verdankt Ilja Malinin ein relativ hohes Niveau. Er ist bereits Olympiasieger im Mannschaftsturnier. Trotz seines russischen Vor- und Nachnamen ist er Amerikaner. Ilja wurde in den USA geboren und ist dort aufgewachsen, seine Eltern sind Eiskunstläufer  und haben ihm das Laufen noch in ganz jungen Jahren beigebracht. Heute ist Ilja Malinin für Gegner unerreichbar. Er hat eine solche technische Messlatte gesetzt, dass das vorherige Idol des männlichen Einzelfahrens, Japaner Yuzuru Hanyu, vor seinem Hintergrund wie ein Anfänger erscheint, obwohl auch er vor ein paar Jahren unerreichbar zu sein schien. Malinins Niveau lässt heute alle Eiskunstläufer ihre Technik verbessern – sie lernen vierfache Sprünge, zeigen in der Kür eine maximale Zahl komplexer Elemente. Der Einzellauf der Herren steht insgesamt gut da. In den USA, in Asien gibt es Athleten, die Dinge tun, die unmöglich erscheinen. Michail Schaidorow aus Kasachstan ist einer der besten Einzelläufer der Gegenwart, obwohl Kasachstan ein völlig uncharakteristisches Land ist. In Russland gibt es mehrere Athleten, die technisch hervorragend ausgebildet und in der Lage sind, die schwierigsten Sprünge auszuführen. Ja, noch sind sie suspendiert, aber wenn sie wieder an den internationalen Starts teilnehmen werden, werden sie den Pool der Einzelläufer wesentlich verstärken. Im Allgemeinen ist der Einzellauf der Herren heute viel sehenswerter und zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich als der Einzellauf der Frauen. Der Grund dafür sind nicht nur die komplexen Sprünge. Ihre Programme werden interessanter, das Laufen sieht athletischer aus, das zieht die Aufmerksamkeit der Zuschauer an. Daher dominiert meiner Meinung nach heute in der Welt des Eiskunstlaufs das Herren-Einzellaufen - technisch, künstlerisch und sogar geografisch, weil es starke Athleten auf allen Kontinenten gibt.

- Was sagen Sie über den Paarlauf? 

- Es ist eine sehr komplexe Disziplin im Eiskunstlauf, sowohl technisch als auch körperlich und psychisch. Traditionell entwickelten sich große Länder - Russland, die USA, Japan - das Paarlaufen. Sie haben eine große Anzahl von Einzelläufern und haben viel Spielraum für die Bildung von Sportpaaren. Ohne Russland ist das Niveau des Paarlaufs gesunken. Viele Athleten, die heute für europäische Länder, für die USA, antreten, kommen aus Russland. Das heißt, die russische Schule ist ein Spender für den Paarlauf, und heute gibt es in Russland viele gute und sogar sehr gute Sportpaare, die bei den wichtigen Sportveranstaltungen um hohe Plätze kämpfen können, aber noch keine solche Möglichkeit haben.

"Und warum brauche ich es?"

- Wie können sie unsere Sportler in diesen 4 Jahren, wo sie von internationalen Starts suspendiert sind, überhaupt noch motivieren? 

- Das ist der schwierigste Teil meiner Arbeit als Cheftrainer. Ohne internationale Starts und ernsthafte Aufgaben kann man eine Saison auf den heimischen Reserven durchhalten. Die erste Saison nach der Suspendierung war es so, die Athleten arbeiteten wie gewohnt. Und in der nächsten Saison gab es bereits Gedanken „Wozu das alles?“ Als Nationaltrainer kann ich mich selbst loben, dass es Maxim Ryschenkow gelungen ist, die Athleten weiter zu motivieren. Verschiedene Methoden wurden dafür verwendet, sowohl Peitsche als auch Zuckerbrot. Was haben wir nach vier Jahren Suspendierung? Sechs Athleten nahmen an der belarussischen Meisterschaft im Einzellauf der Herren teil. Nicht sehr viel, aber sie führen vierfache Sprünge aus. Und dass sie nicht nur im Sport geblieben sind, sondern auch technisch gewachsen sind, ist ein großes Verdienst der Trainer, der Führung des belarussischen Eisschnelllaufverbandes, des Sportministeriums. Wir haben nicht viel Eiskunstlauf, und in vier Jahren konnte man die gesamte Reserve verlieren, weil Eltern in der heutigen Realität vielleicht keinen Sinn darin sehen, ihr Kind dieser schwierigen Sportart anzuvertrauen. Ja, wir haben in diesen vier Jahren einige Athleten verloren, aber wir haben die Spitze beibehalten und weiterentwickelt. Wenn unsere Athleten zu internationalen Starts zugelassen werden, werden wir uns für sie nicht schämen. Belarussische Einzelläufer können sich das Land jetzt würdig vertreten. Sie sind in einer guten Wettkampfform, weil jeder Athlet 7-10 Starts pro Saison hat, was angesichts der Suspendierung von internationalen Wettbewerben ziemlich viel ist.

- Gibt es irgendwelche Fortschritte bei der Rückkehr der Eiskunstläufer zu internationalen Starts?

- Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Wiktor Lukaschenko, führte Gespräche mit der Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees, Kirsty Coventry, durch. Danach durfte Belarus internationale Turniere auf seinem Territorium abhalten, es wird die Frage der Zulassung für internationale Starts unserer Junioren besprochen. Und das alles gilt nur für belarussische Athleten. Das Nationale Olympische Komitee unter der Leitung von Wiktor Lukaschenko unternimmt sehr ernste Schritte, die zu positiven Ergebnissen führen. Das ist ein positiver Aspekt. Ein Nachteil ist aber, dass die Internationale Eislauf-Union nach der Suspendierung von Russen und Belarussen einen Teil der Sponsoren verloren hat. Ohne russische Athleten ist das Interesse am Eiskunstlauf gesunken. Im zweiten Jahr hat sich die Situation eingependelt. Die Medaillen wurden gleichmäßig auf Länder und Kontinente verteilt. Früher gewannen die Russen  11 von 12 Medaillen. Jetzt holen jene teams Medaillen, die die vorher davon gar nicht träumen konnten. Diese Verteilung der Auszeichnungen nach Ländern und Kontinenten ist für die ISU wichtiger als ein starkes Russland-Team. Daher wird es mit der Rückkehr der Russen keine Eile geben.

Arbeit gibt es genug

- Angesichts der Tatsache, dass zum ersten Mal in der Geschichte des belarussischen Eiskunstlaufs dieselbe Sportlerin zum zweiten Mal bei den Olympischen Spielen auftritt, kann man sagen, dass die Aufgaben, die Ihnen am Anfang Ihrer Arbeit in Belarus gegenüberstanden, wenn nicht vollständig, dann zumindest teilweise erfüllt sind?

- Ich muss mich aber selbst kritisieren. Die Aufgaben wurden nicht erfüllt. Dass der belarussische Eiskunstlauf zum zweiten Mal von derselben Sportlerin bei den Olympischen Spielen vertreten wird, ist gut. Aber das ist nicht genau das, was ich wollte. Ich wollte, dass wir an Mannschaftsturnieren teilnehmen, dafür mussten wir an internationalen Wettbewerben teilnehmen und Punkte sammeln, das hat aber nicht funktioniert. Es wurde die Aufgabe gestellt, den Paarlauf zu fördern – wieder nicht erfüllt. Hier muss man aber verstehen, dass der Paarlauf davon abhängt, wie viele gute Einzelläufer wir haben. Wir haben nur fünf bis sechs Einzelläufer, die bei den Landesmeisterschaften antreten, und wenn mindestens zwei im Doppel antreten, was bleibt dann vom Einzel? Paarlauf ist eine sehr komplexe Disziplin, die erfordert, dass ein halbes Dutzend neue Elemente erlernt werden, zusätzlich zu dem, was der Athlet bereits ausführt. Unter den Bedingungen der Suspendierung kann jeder Athlet durchaus logisch denken: "Warum soll ich noch mehr arbeiten?" Heute haben wir einen Einzelläufer und zwei Einzelläuferinnen, die in der Lage sind und bereit sind, mit der Arbeit in einem Paar zu beginnen. Aber bis jetzt gibt es in Belarus keinen Paarlauf.

Was das Herren-Einzellaufen betrifft, so ist es gelungen, diese Disziplin technisch auf ein Niveau anzuheben, das um 10 Punkte höher ist als vor 5 Jahren. Alle Athleten führen heute vierfache Sprünge aus. Das Gesamtniveau ist gestiegen. Und das ist ein Plus. Aber auf der internationalen Ebene fühlen sich unsere Athleten vor dem Hintergrund dessen, was Malinin tut, etwas zurückhaltend, weil das Niveau mit jedem neuen Jahr steigt. Wir zwingen den Trainerstab und die Athleten dazu, in eine Richtung zu gehen, die früher unmöglich schien. Man kann nicht aufhören und auf dem Niveau bleiben, wo man war. Wir rennen auf diesem Weg ohnehin einem davonfahrenden Zug hinterher und müssen uns sehr anstrengen, um den letzten Waggon zu erreichen. 

- Was erwartet unsere Eiskunstläufer noch in dieser Saison? 

- Während der Olympischen Spiele werden wir interne Starts haben - vom 12. bis zum 15. Februar wird die vierte Etappe des Landespokals in Pruschany stattfinden. Für April ist die zweite Etappe des Pokals der stärksten Athleten geplant. Arbeit gibt es genug .
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