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Französischer Botschafter über Visaliberalisierung, Minsker Abkommen und belarussische Sprache

Politik 17.03.2017 | 17:09
Didier Cannesse. Archivfoto
Didier Cannesse. Archivfoto

MINSK, 17. März (BelTA) – Der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter Frankreichs in Belarus, Didier Cannesse, hat in einem TV-Interview bei Belarus 1 darüber erzählt, welche Assoziationen er mit Belarus ursprünglich verbunden hat, warum die Umsetzung der Minsker Abkommen so wichtig ist, was er von Belarussisch hält und wie er innenpolitische Trends in seinem Land einschätzt.

Von Napoleon bis Chagall

Vor seiner Reise nach Belarus als Diplomat und Botschafter seien es vor allem Namen wie Marc Chagall, Chaim Soutine und Ossip Zadkine gewesen, die er mit dem Begriff Belarus verbunden habe. „Das sind berühmte Maler der Pariser Schule“, sagte er. Auch belarussische Schriftsteller seien ihm ein Begriff. Wie jeder Franzose wisse auch er über die tragischen Ereignisse während des Rückzugs der Grande Armee Napoleons über Belarus, nämlich über die Schlacht an der Beresina. Auch die Tschernobyl-Tragödie verbinde er mit Belarus. Frankreich habe Belarus nach dem Gau über mehrere Jahre humanitäre Hilfe geleistet, sagte er.

Über Visaliberalisierung und Gegenschritte

Jeder Schritt in Richtung Reiseerleichterung spiele der Tourismusbranche in die Hände, zeigte sich der Diplomat sicher. Diesem Ziel diene auch die von Belarus beschlossene visafreie Einreise für viele Staaten.

„Davon profitieren vor allem Geschäftsleute, weil sie in der Regel für kurze Zeit in ein Land kommen“, sagte Cannesse. Frankreich habe früher für 60 Staaten Visumpflicht abgeschafft. Die Beantragung eines Mehrfachvisums für die Dauer von 5 Jahren sei wesentlich erleichtert worden. In der Regel werde ein Visumsantrag binnen eines Tages bearbeitet.

Ob Belarussen auch einmal visafrei nach Europa reisen würden, sagte der Diplomat, die EU habe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit dieser Frage beschäftige.

Über wirtschaftliche Beziehungen mit Belarus

Ende Januar sei in Paris eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die es zum Ziel setze, französische Erfahrungen im Tourismusbereich mit Belarus zu teilen.

Im Bereich Umweltschutz könne Belarus von Frankreich viel lernen. „Wir können Belarus innovative Lösungen im Bereich Abfallmanagement und Energieeinsparung anbieten. Das Potential ist vorhanden. Frankreich sieht die grüne Wirtschaft als Triebfeder des Wachstums an.“

Nach Angaben des französischen Diplomaten importiere Frankreich aus Belarus Holzwaren, Chemiedünger, Erzeugnisse aus Kunststoff.

„Und natürlich kennen nicht nur französische Teenager, sondern auch Erwachsene das belarussische Computerspiel World of Tanks. Im IT-Bereich gibt es ein großes Kooperationspotential zwischen unseren Staaten“, so Botschafter.

Über die belarussische Sprache

„Ich halte Belarussisch für eine Sprache, die sich einer immer größeren Nachfrage erfreut. Außerdem klingt Belarussisch sehr schön“, sagte der Diplomat.

Über die Minsker Abkommen

„Frankreich bekennt sich zur kompletten Umsetzung der Minsker Abkommen. Dieses Dokument ist alternativlos. Wir schätzen auch die belarussischen Bemühungen um die Beilegung dieser Krise sehr hoch“, sagte Cannesse.

Über die französische Präsidentschaftswahl

„Die Wahlkampagne im Frankreich kommt in Schwung. Heute ist Frankreich ein anderes Land, als es vor einigen Jahren war. Die Franzosen haben sich verändert, sie stellen höhere Ansprüche an die Bewerber. Sie wollen einen makellosen und würdevollen Präsidenten an der Macht sehen. Wir haben auch das Wahlgesetz in den letzten Jahren etwas revidiert. Zum Beispiel bei der Finanzierung politischer Parteien oder der Wahlkampagnen – diese Finanzierung muss völlig transparent sein.“

Auf die Frage, warum Rechtspolitiker und Euroskeptiker heute ihre Position stärken, erwiderte der Diplomat, politische Vorgänge in der EU seien sehr kompliziert. „Nicht jeder Politiker weiß, wie was in der EU funktioniert. In der EU werden die Entscheidungen aber nicht von irgendwelchen Bürokraten getroffen, sondern von Regierungen und dem EU-Parlament, dessen Mitglieder frei und demokratisch von allen Europäern gewählt wurden“

Über „Frexit“

"Wer heute von „Frexit“ spricht, betreibt politischen Populismus. Frankreich bekennt sich zu einem gemeinsamen Europa und ist ein aktiver Mitgestalter europäischer Prozesse. Skeptiker gibt es auch bei uns, aber die meisten Franzosen sind für die EU".

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